Der Dacia 1300 wurde von 1969 bis 2004 gebaut, also 35 Jahre lang. Das sind keine 60.000 Stück im Jahr. Vom Logan wurden 2006 glaube ich mich zu erinnern so um 400.000 gebaut und verkauft. 2009 sollen es dann 900.000 sein, also in etwas mehr als 2 Jahren das, was der 1300er in 35 Jahren geschafft hat. Das nenne ich Erfolgsmodell
Anmeldungsdatum: 25.03.2007 Beiträge: 3437 Modell: Diesel-Kombi, 64.380 km
Verfasst am: 11.06.2007, 11:05 Titel:
Hallo, falke, man muss sich ja auch in Erinnerung rufen, unter welchen Umständen die ersten Dacia in Rumänien gebaut wurden. Dort war ja noch die sog. Planwirtschaft zugange...
Zu DDR-Zeiten fuhren einige rumänische KFZ bei uns herum - entweder der Lizenz-12er - der einzig vorhandene Dacia (ich glaub paar Kombis waren auch bei) oder Nutzfahrzeuge wie ARO oder die sog. Balkanziege - ich komm glaich gar nicht drauf, wie die richtige Typenbezeichnung war - jedenfalls dieser meist weiße Kleintransporter. Nicht für eines konnte ich mich persönlich erwärmen - wenn auch der Dacia als erstrebenswerte Mehrverdienerkutsche galt. Da hätte ich mir sogar einen Wartburg vorgezogen, hätt' ich die Wahl gehabt. Von den aktuellen Dacia und nur in der jetzigen Preiskonstellation kommt nur der MCV als "besonders gelungen" (wenn man es überhaupt so nennen mag) für mich infrage. Zum Schnelltransporter als Kasten fehlen ihm Schiebetüren, um als besonders gelungen zu gelten. Zu den andern kann ich nicht viel sagen - sämtlich aufgehübschte Uralt-Konstruktionen, denk ich.
Fazit: Ich war damals erstaunt, was die Daciaingeneure aus der doch recht unscheinbaren und wegen des Hecks (seid mir bitte nicht böse, die einen haben) doch nicht gerade attraktiven Stufenheck gezaubert hatten - den zeitlos wirkenden MCV. Und ich schlug zu.
Ich bin im Übrigen auch im ersten sozialistischen Land und sogar in der ersten sozialistischen Stadt auf auf deutschem Boden aufgewachsen und durfte 18 Jahre die Vorzüge der Planwirtschaft geniessen. Ich will mich aber nicht beschweren, ich hatte (man kann es auch ironisch lesen) eine behütete Kindheit.
Ein Auto, dass 35 Jahre nahezu unverändert gebaut wird, weil die Betriebs- (in dem Fall wohl aber die Staats-) führung nicht in Weiterentwicklung inverstiert, als Erfolgsmodell hinzustellen, käme einem Hochruf auf Erich Honecker und seine Freunde gleich. Da kann man behaupten dass ausnahmslos alle Autos aus RGW-Staaten Erfolgsmodelle waren, schliesslich wurde alle nahezu unverändert über mindestens 2 Jahrzehnte gebaut. Die Konstruktionen müssen demnach ideal und zeitlos gewesen sein.
Ich fand schlicht die Aussage von Yalies daneben, von Erfolgsmodell zu reden nur, weil es so lange so unverändert gebaut wurde. Der Trabi P601 ist demnach das grössere Erfolgsmodell, es wurde 2,8 Mio. Mal gebaut.
Anmeldungsdatum: 25.03.2007 Beiträge: 3437 Modell: Diesel-Kombi, 64.380 km
Verfasst am: 11.06.2007, 12:49 Titel:
Aber "Erfolgsmodelle" konnten sie nur werden, weil es nix anderes gab.
Der Käfer wurde ein Erfolgsmodell, denn wer einen Käfer gekauft hat, hatte trotzdem die Auswahl unter vielen anderen Fahrzeugen.
Aber "Erfolgsmodelle" konnten sie nur werden, weil es nix anderes gab...
Das stimmt so nicht ganz. In der DDR konnte man aus folgenden Marken auswählen: Trabant, Wartburg, Skoda, Lada, Dacia, Moskwitsch, Saparosch, "Exoten" waren Wolga und Tatra, Staatskarossen ZIL und Tschaika. Die DDR hat 3 mal 10.000 "Westwagen" importiert: Golf II, Mazda 323 und Citroen GSA Pallas. Die Polen hatten für ihren eigene Markt noch den Polonez sowie den Polski Fiat. Du siehst, an Auswahl mangelte es nicht wirklich. Die hohen Stückzahlen kamen wirklich nur durch den überlangen Modellzyklus zustande, wenn man überhaupt von Zyklus reden kann.
Anmeldungsdatum: 25.03.2007 Beiträge: 3437 Modell: Diesel-Kombi, 64.380 km
Verfasst am: 11.06.2007, 13:41 Titel:
Nun ja, ich habe eben von langen Lieferzeiten für Trabbi usw. gehört.
Deswegen meine ich, wenn man dann andere Modelle schneller bekam, hat man wohl die genommen.
Die Lieferzeiten waren auch für die anderen Marken meist im mittleren einstelligen Jahresbereich, oft sogar knapp unter zweistellig oder darüber. Einfach so in einen Laden gehen und in wenigen Tagen oder Wochen hast Du dann Dein Gefährt ging eigentlich nie.
Folge war, dass Gebrauchtwagen, so sie denn verkauft wurden, zu horrenden Preisen weggingen. Meine Mutter hat den 9 Jahre alten Lada Kombi 1986 für 1000,- M mehr verkauft als er 1977 gekostet hat. Damit war dann der Kauf des fabrikneuen Trabis finanziert. Gebrauchte Golf II wurden für über 100.000,- M gehandelt. Auch eine Folge automobilen Wahnsinns.
Anmeldungsdatum: 28.03.2007 Beiträge: 505 Modell: Wunschauto: MCV 1.6 16V in Marineblau und oder aber auch Feuerrot
Verfasst am: 11.06.2007, 15:28 Titel:
falke hat folgendes geschrieben:
berwangerfj hat folgendes geschrieben:
Aber "Erfolgsmodelle" konnten sie nur werden, weil es nix anderes gab...
Das stimmt so nicht ganz. In der DDR konnte man aus folgenden Marken auswählen: Trabant, Wartburg, Skoda, Lada, Dacia, Moskwitsch, Saparosch, "Exoten" waren Wolga und Tatra, Staatskarossen ZIL und Tschaika. Die DDR hat 3 mal 10.000 "Westwagen" importiert: Golf II, Mazda 323 und Citroen GSA Pallas. Die Polen hatten für ihren eigene Markt noch den Polonez sowie den Polski Fiat. Du siehst, an Auswahl mangelte es nicht wirklich. Die hohen Stückzahlen kamen wirklich nur durch den überlangen Modellzyklus zustande, wenn man überhaupt von Zyklus reden kann.
Im Vergleich mit offenen Märkten mangelte es auch ganz deutlich an der Auswahl...7 + 3 ist nicht wirklich eine Auswahl.
So unterschiedlich kann die Meinung von Auswahl sein. Ich denke 10 Marken sind mehr als genug Auswahl, 7 sind genug Auswahl und selbst 4 oder 5 sind OK. Ich kenne noch die Auswahl bei unserem Schulessen, die war binär: ja oder nein. Wenn man es genau nimmt: selbst das war Auswahl ;-)
Anmeldungsdatum: 25.03.2007 Beiträge: 3437 Modell: Diesel-Kombi, 64.380 km
Verfasst am: 11.06.2007, 16:14 Titel:
Nun ja, das Wort Auswahl in diesem Zusammenhang ist ja mit unterschiedlichen Ergebnissen verbunden:
1.) Ich wähle einen Trabbi, auf den ich 5 Jahre warte oder ich wähle
2.) einen Wartburg auf den ich 6 Jahre warte.
Im Westen war die Auswahl
1.) Käfer sofort oder
2.) Kadett sofort oder
3.) DB sofort oder
4.) BMW sofort usw.
Anmeldungsdatum: 28.03.2007 Beiträge: 505 Modell: Wunschauto: MCV 1.6 16V in Marineblau und oder aber auch Feuerrot
Verfasst am: 11.06.2007, 17:43 Titel:
berwangerfj hat folgendes geschrieben:
Nun ja, das Wort Auswahl in diesem Zusammenhang ist ja mit unterschiedlichen Ergebnissen verbunden:
1.) Ich wähle einen Trabbi, auf den ich 5 Jahre warte oder ich wähle
2.) einen Wartburg auf den ich 6 Jahre warte.
Im Westen war die Auswahl
1.) Käfer sofort oder
2.) Kadett sofort oder
3.) DB sofort oder
4.) BMW sofort usw.
Die Liste müßte aber korrekter Weise noch ergänzt werden:
5.) ...
6.) ...
.
.
.
.
.
.
.
.
.
100.)
Die Welt ist ein Dorf, auch schon zu Hochzeiten des Sozialismus. Und wenn man auf offenen Märkten unter vielleicht 100 verschiedenen Modellen von mehreren Dutzend Herstellern wählen konnte, dann stellen 7 oder auch 10 Modelle eine extrem eingeschränkte Auswahl dar. So extrem eingeschränkt, daß der Begriff "Auswahl" schon fast wie Hohn klingt!
Anmeldungsdatum: 28.03.2007 Beiträge: 505 Modell: Wunschauto: MCV 1.6 16V in Marineblau und oder aber auch Feuerrot
Verfasst am: 11.06.2007, 17:55 Titel:
berwangerfj hat folgendes geschrieben:
Datschi, Du hast ja recht.
Aber umgekehrt könnte man es auch sehen:
100 zur Auswahl, kriegst sie aber erst nach 5 Jahren.
Oder 2 zur Auswahl und zwar sofort.
Was ist besser?
Nun, diese Alternative stand ja nicht zur Diskussion. Eher die, die du schon angedeutet hattest:
100 zur Auswahl, lieferbar mehr oder weniger sofort
oder
7-10 zu Auswahl, lieferbar in 1x Jahren
Aber um auf den Ursprung zurück zu kommen: auf den geschlossenen Märkten des ehemaligen Ostblocks von Erfolgsmodell(en) zu sprechen, ist aufgrund der extrem eingeschränkten Auswahlmöglichkeiten eben nur die halbe Wahrheit...
Das ist ja nur alles relativ. Als meine Eltern sich in den 60er Jahren das erste Auto auf Pump kaufen konnten, war die (bezahlbare) Auswahl auch eher bescheiden. VW-Käfer, Opel Kadett und aus Amerika schwappten der Taunus 12 M und 17M rüber. Sicher gab es DB, Porsche, Opel-Commodore usw., aber wer von den Normalos konnten sich solche Fahrzeuge leisten zu einer Zeit, wo ein "dusseliger" Scharzweiß-Röhrenfernseher schon mehrere Monatslöhne verschlungen hat ?
Anmeldungsdatum: 25.03.2007 Beiträge: 3437 Modell: Diesel-Kombi, 64.380 km
Verfasst am: 11.06.2007, 18:28 Titel:
Und jetzt mal was grundsätzliches zu den sog. "Erfolgsmodellen":
In Ermangelung von etwas besserem sind das halt Erfolgsmodelle geworden. Oder: Unter Blinden ist der Einäugige König.
Aber im Ernst:
Wenn man sich so anschaut, was die Regierenden der Ostblockländer sich nicht geniert haben ihren Völkern als Fortschritt zu verkaufen könnte einem grad der Hut hochgehen.
Warum ist denn nach der Wende so ziemlich alles im Ostblock zusammengebrochen und alles hat sich nach Westen orientiert?
Ganz einfach: die Leute wollten nicht mehr zwangsbeglückt werden von einer Ideologie sondern frei entscheiden, was für sie gut oder auch schlecht ist. So isses halt mal.
Spruch: "Wenn die DM nicht zu uns kommt gehen wir zur DM!"
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